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(c) Irmi Günster

Herr Ganslmeier, können Sie uns etwas zu den Nutzern der E-Flotte sagen? Wer (z.B. junge Leute, Familien, Rentner) hat sich die E-Fahrzeuge und zu welchem Zweck geliehen? Wie waren die Reaktionen der Nutzer auf die E-Flotte?

Die Nutzer der Fahrzeuge waren aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Dabei standen das Interesse an dem Fahrgefühl und die Erfahrung im Umgang mit einem E-Mobil im Vordergrund. Die meisten Nutzer hatten keine konkreten Aufgaben im Hinterkopf (Fahrt zur Arbeit, Einkaufsfahrt, etc.) sondern wollten nur in ihrer Freizeit das Auto oder Fahrrad nutzen. Berichtet wurde von Fahrten zum Bergsteigen, ins Kino oder ins Freibad. Dabei hat so mancher Fahrer die Reichweite bis zum letzten Schritt ausgenutzt und kam mit einer Restfahrweite von minimal 5 km zurück. Einige Fahrer nahmen sich auch die Zeit, in der nahe gelegenen Stadt Wasserburg ihr Fahrzeug zu laden.

Die Reaktionen war eigentlich vorhersehbar: Bei den Kraftfahrzeugen hat das Fahrgefühl den meisten sehr gut gefallen. Manche bemängelten jedoch die Straßenlage wegen der schmalen Reifen. Durchgehend war jedoch die Diskussion wegen der Reichweite und der schlechten Versorgung mit freien Lademöglichkeiten im Gespräch. Da es nur wenige Lademöglichkeiten ohne vorherige Anmeldung in der Umgebung gibt, mussten die Fahrzeuge in Wasserburg, Amerang oder Albaching geladen werden.

Bei den E-Bikes gab es durchgehend positive Rückmeldungen: Das Fahren mit elektrischer Unterstützung hat viele begeistert. Auch die Reichweite bei den Fahrrädern ist absolut ausreichend und das Aufladen der Batterien erfolgt sowieso abends nach der Tour. Das erklärt wohl auch den Durchbruch und die Verkaufszahlen bei den E-Bikes.

 

Welche Zielgruppe sollte spezifischer angesprochen werden?

Ich denke nicht, dass es eine spezifische Gruppe geben kann. E-Mobilität ist auf dem Land für jeden interessant, dem die Reichweite und die Versorgung mit Lademöglichkeiten genügen. Vor Allem sollten aber die öffentlichen Institutionen mit gutem Beispiel vorangehen: Staatliche und kirchliche Stellen sollten als Vorgabe für den Neukauf von Fahrzeugen grundsätzlich auf Elektromobile setzen. Ein gutes Beispiel ist auch die Post mit ihrer eigenen Konstruktion für E-Mobile.

 

Welche Ideen zur Förderung der Elektromobilität in Ihrer Gemeinde sind aus dem Projekt landmobile entstanden?

Grundsätzlich beschäftigt sich die AG Energie mit dem weiteren Vorgehen. Aktuell sind noch keine konkreten Pläne vorhanden. In Zusammenarbeit mit den anderen Energie-Gemeinden werden aber Modelle wie Car-Sharing diskutiert.

 

Welche Herausforderungen & Chancen sehen Sie bei der Steigerung von E-Mobilität im ländlichen Raum?
Ich denke, die größte Herausforderung für die E-Mobilität sind die Unternehmen. Wenn man die Unternehmen dazu bringen könnte, freiwillig Ladestationen für ihre Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, wären viele Probleme mit der Reichweite schon behoben. Auch ein einheitliches Zahlungssystem für alle Ladestationen sehe ich als Pflicht. Es kann nicht erträglich sein, mit zahlreichen „selbstgeschnitzten“ Lösungen die E-Mobilität voranzubringen.

Für mich persönlich stellt sich die Zukunft auf dem Land so dar: Das Standardfahrzeug in den Familien ist elektrisch. Die Fahrzeuge werden über die heimische Solaranlage oder an der Arbeitsstelle (auch über PV-Strom) geladen. In der Gemeinde werden in der Übergangszeit mehrere alternative Kraftfahrzeuge im Car-Sharing angeboten, die man sich für längere Reisen und Sonderfahrten ausleihen kann.

 

Fotos: Irmi Günster