Portrait: Stefan Sachs – Elektromobilität braucht Lebenserfahrung
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Portrait: Stefan Sachs – Elektromobilität braucht Lebenserfahrung

Elektromobilitätsberater Stefan Sachs mit Frau in den 80ern

Ein Artikel über Elektromobilität beginnt selten mit Jahreszahlen, dafür gibt es in der Branche meist schlichtweg zu wenig historische Bezüge. Doch dieser Artikel braucht welche, denn der Elektromobilitätsberater Stefan Sachs ist bereits seit rund 30 Jahren auf diesem Gebiet unterwegs, sodass man dazu bemerken muss: Erst zehn Jahre später, in den 90ern, wurde mit der Forschung der Elektromobilität so richtig begonnen. Doch das ist nicht das Einzige Faszinosum an dem sehr aufgeweckten Diplom-Ingenieur. Neben seiner Tätigkeit im Bereich Elektromobilität als Berater, Dozent und Projektbegleiter ist er auch noch als Business-Coach (IHK) für Menschen in beruflicher Veränderung aktiv. Wie das zusammen geht? Das haben wir uns auch gefragt, und haben eine überraschend authentische Antwort bekommen.

Berufung braucht Liebe

Manche Menschen wissen schon sehr früh, welches Thema sie im Leben besonders berührt. Stefan Sachs gehört eindeutig dazu. Gerade mal acht Jahre war er jung, als er gemeinsam mit seinem Vater seine ersten Solarzellen zusammengelötet hat. Die Liebe zur Elektronik und zu erneuerbaren Energien hat ihn dann nie wieder losgelassen. Im Gegenteil, er hat sein Leben auf diese Liebe ausgelegt. In den 80ern, als das Thema noch nicht mal richtig Einzug in den Unis gehalten hat, nahm er bereits an Solar-Elektromobil-Rennen teil – erfolgreich selbstverständlich. Und selbstverständlich erfolgreich hat er dann auch während seiner jahrelangen Tätigkeit als Elektromobilitätsberater wertvolle Erfahrungen gesammelt. Zweifellos nicht nur im Beruf, denn eine Leidenschaft endet bekanntlich nicht mit dem Feierabend. Im Übrigen ganz zur Freude seiner Frau: als Geschenk zur Hochzeit gab es damals ein Elektroauto. Vor kurzem hatten sie dann silberne Hochzeit, miteinander und mit den E-Autos. Denn auch wenn ihr Auto heute einen Reifen und einige Kilowattstunden mehr hat, die Liebe ist geblieben, zu beiden!

Mobilität braucht das große Ganze

Heute ist immer noch damals, zumindest was Elektromobilität anbetrifft. Im Moment sammeln wir als Gesellschaft noch Erfahrungen auf dem Gebiet, wirklich Erfahrene gibt es hier kaum. Also muss man die Chance nutzen und genau hinhören, wenn man einen solch Seltenen vor sich sitzen hat. Seinen Schülern, meint Herr Sachs, gibt er vor allem mit, dass es um das große Ganze geht. Elektromobilität ohne regenerative Energien? Geht nicht! Deshalb setzt sich Herr Sachs dafür ein, dass Mobilität generell neu gedacht werden muss. In der Stadt bedeute dies elektrisch betriebener ÖPNV und Lieferverkehr, Carsharing, bedarfsgerechte Nutzung statt Individualverkehr und Lademöglichkeiten in Quartiersnähe. Auf dem Land sieht das anders aus: Es brauche auf jeden Fall E-Mobilität im Individualverkehr bis die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ausreichend ausgebaut ist. Das Projekt landmobile findet Herr Sachs deshalb sehr aufschlussreich. „Auf dem Land braucht‘s mehr Ladesäulen! Und zwar dort, wo sie genutzt werden können: auf Parkplätzen, an Bahnhöfen und Einkaufszentren.“ Auf dem Land geht es nämlich pragmatischer zu, man verbindet Dinge miteinander, die Distanzen sind größer, die Wege werden mehrfach genutzt. Das merkt man auch bei landmobile, findet er. Und das soll man auch merken, dafür ist es gedacht. Aber ist auf dem Land nicht der Wille zur Veränderung viel geringer?

Neue Ziele brauchen Veränderung

Nein. Aber die Hemmungen seien größer, weil das Fahrzeug auf dem Land viel verlässlicher sein müsse. Dort kann man sich nicht einfach im nächsten Laden aufwärmen oder spontan einen Bus nach Hause nehmen, wenn man mit dem Auto liegen bleibt. Der Widerstand gegenüber Veränderungen ist hingegen überall gleich, egal ob Stadt oder Land. Angst und Bequemlichkeit seien die zwei großen Probleme, sagt der erfahrene Elektromobilitätsberater. Angst vor allem vor zu wenig Reichweite, wobei das bei einer statistischen Durchschnittsstrecke von unter 40km pro Pkw und Tag überhaupt kein Problem darstellen dürfe. Ein Projekt wie landmobile kann eine solche Angst nehmen, die Bequemlichkeit hingegen muss schon jeder selbst überwinden. Und das ist er dann auch schon, der Grund, warum Herr Sachs sowohl Lebenscoach als auch Elektromobilitätsberater ist: Er begleitet Veränderungen. Seiner Erfahrung nach werden Entscheidungen oft zum Beispiel aufgrund von Gewohnheiten oder Zwängen getroffen, und dies gilt es sich bewusst zu machen. So vermittelt er als Erfahrener auch auf diesem Gebiet seinen Kunden dann eben solche Ratschläge: sich von Handlungszwängen zu befreien und Veränderungen im Inneren wie im Äußeren geschehen zu lassen. Zumindest was die E-Mobilität anbetrifft kann es dadurch nur besser werden. Auf seiner Homepage kann man sein Coaching-Motto lesen: „bc Sachs – damit Veränderungen Erfolge werden“. Und so ist Stefan Sachs schlussendlich nach so vielen Jahren ein wirklich Erfahrener in Veränderungen geworden. Zumindest kann man es in seinen Augen sehen – neue Wege gehen und geistig beweglich sein scheint jung zu halten.