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Portrait: Tilo Teply – der Gemeinschafter

Foto Jugendprojekt Amerang

Das Jugendprojekt in Amerang möchte mehr Gemeinschaft für junge Ameranger schaffen

Der Vorplatz am Ameranger Rathaus ist idyllisch. Ein kleines Café lädt zum Verweilen ein. Die Kirchturmglocken läuten gemächlich, aber präzise vor sich hin. Auf dem Rathaus liest man ‚Amerang. Angenehm. Anders.’ So könnte man leben. Wenn da nicht ständig knatternde Lkws die Ruhe durchbrechen würden. Beinahe so genau wie das Kirchturmläuten taktieren hier im Sekundenschritt Lastwägen, Motorräder und Autos durch die Arterie der knapp 4.000 Seelen Gemeinschaft. Tilo Teply erhebt dann immer wieder seine Stimme über den Geräuschpegel. Er ist das gewöhnt und lässt sich von keinem Motorenlärm davon abhalten, eine Konversation aufrecht zu erhalten. Teply, ehrenamtlicher Mobilitätsbeauftragter von Amerang, ist jemand, der den Kontakt hält und nicht abreißen lässt, egal was dazwischen kommt.

Car-Sharing als Gemeinschaftsprojekt

Die Gemeinsamkeiten, die Verbindungen, die sind ihm wichtig. Das war auch der Grundgedanke der Gründung der Ameranger Autogemeinschaft e.V. vor 11 Jahren, kurz nachdem der Münchner nach Amerang gezogen war. Autogemeinschaft ist dabei ja eigentlich ein Widerspruch. Das Auto symbolisiert Individualität. Das beißt sich mit der Gemeinschaft. Mit der AmAG will Teply aber gerade diese Paradoxie auflösen und zeigen, dass man auf dem Land nur gemeinsam überleben kann. In München gibt es mittlerweile viele Car-Sharing Anbieter. Aber denen gehe es ja nur um Individualität losgelöst von Verantwortung. Car-Sharing auf dem Land ist mehr als das. Da geht es um Kontakte, Absprachen und Vertrauen. Nur wenn es sichere soziale Netze gibt, auf die man sich verlassen kann, bleibt das Land attraktiv auch für junge Menschen, findet Teply, der auch als Fahrer des regionalen Bürgerbusses am Lenker sitzt.

Energien vor Ort nutzen

landmobile ist für den gebürtigen Münchner dabei eine Schnittstelle zur nachhaltigen Entwicklung des Landes. Zum einen geht es dem Mobilitätsbeauftragten um die Schonung von Ressourcen und die Möglichkeit der lokalen Energieversorgung. Wie auf Kommando schleppt in diesem Moment ein überdimensionaler Traktor einen Riesenanhänger, beladen mit Energie-Mais, durch die Hauptstraße. „Ist das nicht wie ein fahrender Beleg dafür, dass da was schief läuft?“, fragt Teply, wieder mit erhobener, dabei aber nie herablassender Stimme. Energie könnte man doch viel effizienter und umweltfreundlicher produzieren; und eben auch vor Ort verbrauchen.

Die Jugend als Motor für Elektromobilität

Zum andern geht es Teply um umweltbewusstes Wirtschaften in gemeinschaftlicher Verantwortung. Mit dem von ihm angestoßenen „Jugendprojekt Twizy“ will er gerade jüngere Menschen sowohl zur Elektromobilität als auch zum Teilen, den solidarischen Umgang mit Gemeingütern, anregen. Die Jugend liegt ihm am Herz. Das merkt man, wenn man eine Stunde mit ihm am Rathausplatz sitzt und diverse Schülerinnen und Schüler „Hallo Herr Teply“ über die Straße zurufen. Der ehemalige Krankenpfleger hat deswegen sogar auf eigene Kosten einen Renault-Twizy angeschafft, der nun als Gemeinschaftsobjekt von der Ameranger Jugend benutzt werden kann. Alle ab 16 können sich für das Leichtfahrzeug anmelden und es dann nutzen. Am Rathaus hängt ein kleiner Briefkasten mit Zahlenschloss. Nach der Anmeldung bekommen die Jugendlichen den Code und können sich den Schlüssel rausfischen. Das soll zum gewissen Grad Unabhängigkeit schaffen, damit gerade die unter-18-jährigen nicht auf das Herumkutschieren der Eltern angewiesen sind. Gleichzeitig ist das aber auch ein guter Einstiegspunkt, um die junge Generation für Elektromobilität zu begeistern und psychologische Hürden gegen die gemeinsame Benutzung von Fahrzeugen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Mehr Freiheit durch Gemeinschaft

Und so schließt sich für Teply auch der Kreis. Durch ein Gemeinschaftsgefühl kann ja auch mehr Freiheit erzeugt werden. Ist es nicht so, dass wir zusammen für jeden mehr Freiheit schaffen können als jeder für sich allein? Das hat natürlich auch mit Verantwortung zu tun. Für Tilo Teply ist aber Verantwortung nichts Belastendes oder Einschränkendes. Mit seinem Engagement arbeitet er aktiv daran mit, dass Verantwortung wieder als etwas gemeinschaftstiftendes gesehen und gelebt wird. Dafür braucht es Netzwerke, Kommunikation, innovative Ideen. Und manchmal eben eine laute Stimme.